garden 640x346

KLEINGÄRTEN - UNSER ZWEITES ZUHAUSE
(Oder: Handys vor dem Kleingarten abgeben?)

Dieser Slogan stammt nicht etwa von Vertretern der Garten-Partei Sachsen. Nein, dieser Wortlaut stand einst auf einem Aufkleber des Stadtverbandes Leipzig der Kleingärtner e.V. (SLK)

 

Leider sind die meisten Vertreter des SLK heute weit davon entfernt, diese schöne Idee heute noch zu unterstützen. Nein, wie mit erhobenen Zeigefinger wird auf diejenigen gezeigt, die sich ihre Laube schick machen und fit für kleine Gartenpartys oder Geburtstagsfeiern. Aber das ist nicht nur beim Stadtverband der Kleingärtner Leipzig so. In Kreisverbänden und übergeordneten UnserzweitesZhVerbänden der Kleingartenhierarchien ist ständig davon zu hören, wie schädlich es ist, dass Lauben zum Übernachten einladen. Selbst geregelte Wochenendübernachtungen werden als ganz verwerflich dargestellt.
Zitat aus dem Leipziger Gartenfreund 06/2017 S. 21 : „Ablehnung finden Praktiken die ein regelmäßiges Verbleiben und Schlafen in der Gartenlaube an den Wochenenden in den Sommermonaten oder während der gesamten Sommer- und Herbstmonate beinhalten, weil es sich dabei nicht um vorübergehende Aufenthalte im obigen Sinne handelt.“
Nun kann man aber davon ausgehen, dass in früheren Zeiten, also zu VKSK- Zeiten (DDR), dies in einem Teil der jetzigen Bundesrepublik ganz anders beurteilt wurde. Da konnten durchaus Lauben gebaut werden die zum Übernachten und zu „Wochenendurlauben“ geradezu einluden.
War womöglich die sozial politische Funktion des Kleingartens in der DDR besser bewertet als in der BRD?
Was ist eigentlich so schlimm daran, die Wochenenden im eigenen Kleingarten zu verbringen?
Behindert das die Gewinnung von Gartenbauerzeugnissen für den Eigenbedarf?
Überhaupt nicht!
Behindert das die nicht erwerbsmäßige gärtnerische Nutzung der Gartenparzelle?
Gleich gar nicht!
Behindert das etwa die Erholung im Kleingarten?
Die Frage erübrigt sich.

Der §3 des BkleingG sagt ganz klar und eindeutig: „ Sie (die Laube d.V.) darf nach ihrer Beschaffenheit, insbesondere nach ihrer Ausstattung und Einrichtung nicht zum dauerhaften Wohnen geeignet sein.“
Dem gibt es nichts entgegen zusetzten. Denn das zeichnet schon immer einen Kleingarten aus. Die Lauben sind nicht besonders gedämmt und im Herbst wird das Wasser abgedreht.
Damit ist das jegliches Dauerwohnen schon unterbunden.

Das Wichtigste, wenn man den Begriff „Wohnen“ definieren will, ist: Jeder Bürger in Deutschland ist verpflichtet, sich bei der Gemeinde amtlich zu melden, in der er wohnt. Dazu gehört, dass der Bewohner seinen Wohnsitz beim Meldeamt der örtlichen Gemeinde anmeldet. Mit dem Bewohnen einer Wohnung ist, wie es heißt, ein fester Wohnsitz verbunden. Das kann der Erst-, der Zweit- oder auch ein Mehrfachwohnsitz sein. In Deutschland besteht nach dem Meldegesetz des jeweiligen Bundeslandes eine Meldepflicht.

Das Meldeamt wird also gar keine Meldeadresse: Kleingartenverein „Sowieso“, „Gartennr. X“ annehmen. Ein eventuelles Begehren einzelner Kleingartenpächter sollte schon von Amtswegen sofort an die zuständigen Vorstände gemeldet werden.

Selbst wenn eine Laube zum dauerhaften Wohnen geeignet wäre, ist immer noch die amtliche Behörde zuständig dafür, ob die Laube zum dauerhaften Wohnen anerkannt wird. Das dürfte schon alleine wegen der fehlenden Meldeadresse nicht möglich sein, geschweige denn von den Vorständen

Unstreitig wird aber im §1 des BkleinG deutlich festgelegt: Abs.(1) Satz1.: „ Der Kleingarten ist ein Garten, der dem Nutzer (Kleingärtner) zur nicht erwerbsmäßigen gärtnerischen Nutzung, insbesondere zur Gewinnung von Gartenbauerzeugnissen für den Eigenbedarf, und zur Erholung dient … .“

Dieses Gesamtpaket nennt man dann -kleingärtnerische Nutzung- . So einfach ist das.
Und das ist für den überwiegenden Teil der Kleingärtner in Deutschland im Grunde genommen ganz normal.
Es ist aber nicht normal, das Stadt- und Kreisverbände nach wie vor sich wichtig tun und mit erhobenen Zeigefinger drohend die Meinung vertreten, dass der regelmäßige Aufenthalt und das Schlafen in der Laube nicht erwünscht sei.

Warum tun die Verbände das?

Die Kleingartenvereine bilden durch Zusammenschluss Stadt- und Kreisverbände, die sich wiederum in Landesverbände und diese sich zum Bundesverband deutscher Gartenfreunde e.V.(BdG) zusammengeschlossen haben.
In dessen Positionspapier von 2015 werden folgende Positionen veröffentlicht:

Kleingärten ermöglichten Stadtmenschen schon vor 200 Jahren die Produktion von Lebensmitteln, boten Zugang zur Natur und Erholung im Alltag. Die Gemeinschaft der Kleingärtner passt sich seitdem stets den sich ändernden gesellschaftliche Bedingungen an. Sie zeigt sich offen für neue Einflüsse und Herausforderungen, jedoch ohne dabei schnelllebigen Modeerscheinungen hinterher zu hecheln: Stand zu Beginn hauptsächlich die Produktion von Lebensmitteln im Mittelpunkt, um das Auskommen der Familien zu sichern, so kam schon bald darauf die Suche nach mehr Natur, nach Licht und Luft und Grün als Motivation zum Gärtnern hinzu.

Das ist eine richtige und nachvollziehbare Auffassung des Dachverbandes der Kleingartenverbände.
Die Garten-Partei Sachsen unterstützt voll inhaltlich diese Position.
Die Frage bleibt: Warum halten sich die untergeordneten Verbände nicht an diese Vorgaben?

Auch dort muss doch endlich erkannt werden, dass seit Entstehung des BkleinG vor nunmehr mehr als 30 Jahren, sich auch die Lebensbedingungen für Kleingärtner und für solche die es gerne werden würden, erheblich verändert haben.
Deshalb muss nicht das BkleinG auf den Prüfstand gestellt werden, sondern die verschiedensten Kommentierungen dazu.

Bezeichnend ist dafür ist zB die Kommentierung des §3 Rn 10c.: „Unzulässig ist auch der Telefonanschluss in der Laube.“ Völlig überholt! Hoffentlich verlangen einige Schreiberlinge in diversen Fachzeitschriften der Kleingartenverbände nicht noch, dass die Handys vor Betreten der Kleingartenanlage abzugeben sind!

Auch die Rn 10b entspricht schon lange nicht mehr den tatsächlichen Erfordernissen des modernen Kleingartenwesens. Wer sich heute noch dafür einsetzt, dass der Stromanschluss in einer Laube nichts zu suchen hat, lebt völlig an der längst in der Praxis angekommen Ausstattung von modernen Lauben vorbei. Ein Stromanschluss von mindestens 10A gehört heute zur einfachen Ausstattung einer Laube. Das ist schon vertretbar, weil dadurch diverse Sicherungseinrichtungen gegen Einbruch und Vandalismus betrieben werden können.
Wer aber diesen Tatsachen zum Trotz noch dazu aufruft, konsequent gegen Gartenfreunde vorzugehen, die diesbezüglich Gesetzes und Vertragsverletzungen begehen, hat für die Weiterentwicklung des Kleingartenwesens nichts übrig und wird es im Gegenteil noch beschädigen!
Denn es ist wohl für alle Welt nachvollziehbar, dass junge Leute nicht in einer Bretterbude ihre kleingärtnerische Nutzung (Gartenprodukte herstellen und erholen) durchführen wollen. Wer ernsthaft Leerstand bekämpfen will, muss auch im Kleingarten modernes Leben akzeptieren.

Im Positionspapier des BdG (2015) wird weiter ausgeführt:

Das Ziel verantwortlicher Politik muss die regional bedarfsgerechte Weiterentwicklung des Kleingartenbestands sein.

Volle Unterstützung von Seiten der Garten-Partei Sachsen!
Aber bitte nicht mit Maßnahmen und Methoden aus dem Postkutschenzeitalter!
Die Zeiten haben sich gewandelt. Und das BkleinG wird dessen auch gerecht. Mit Hilfe des Gesetzes lassen sich durchaus auch die jetzigen und kommenden Anforderungen an das Kleingartenwesen erfüllen.
Nur die verantwortlichen Funktionäre der Verbände müssen sich dieser Aufgabe auch stellen.
Die heutigen Arbeitsbedingungen haben sich gegenüber Anfang der 80iger Jahre entscheidend geändert.
Zum Einen wurde für die Bevölkerung der arbeitsfreie Sonnabend eingeführt! Das heißt, die 40 Stunden Arbeitswoche. Wie gut, denn nun haben auch berufstätige Kleingärtner Zeit, sich von Freitagnachmittag bis Sonntagabend sich um ihre Gärten zu kümmern.
Zum Anderen hat sich die arbeitsmäßige Belastung für einen erheblichen Teil der Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten erheblich verändert. Zu verweisen ist hier besonders auf die Flexibilisierung der Arbeitszeiten, auf die Vielzahl befristeter Arbeitsverträge und auch die zunehmende Anzahl von Geringverdiener-Arbeitsverhältnissen die dann oftmals zu mehreren Arbeitsverhältnissen pro Monat führen.
Das sind ernstzunehmende Aspekte, die das Festhalten an bestimmten Auslegungen des Bundeskleingartengesetzes absolut verbieten.

Und da soll eine Laube nicht mit Trink- und Brauchwasser ausgestattet sein. Die Frage sei erlaubt:
Sollen die Kleingärtner in ihren Gärten in asozialen Verhältnissen leben?
Schon im Grundgesetz steht: Die Würde des Menschen ist unantastbar! Und zur Würde des Menschen gehört jedenfalls in unseren Breitengraden, dass er sich in einem geschlossenen Raum waschen kann.
Es gibt inzwischen genügend technische Möglichkeiten, dass entsorgungspflichtige Nutzungsabfälle auch ordnungsgemäß, entsprechend den staatlichen Auflagen entsorgt werden können, ohne das Kleingartenanlagen an das öffentliche Entsorgungsnetz angeschlossen werden müssen. Das ist bei einem zu erwartenden Aufenthalt im Kleingarten von ca. 100 Tagen im Jahr auch nicht notwendig.

Es besteht demnach in dieser Hinsicht keine Veranlassung mehr, den mehrtägigen Aufenthalt in Kleingärten zu verneinen. Im Gegenteil, die Vorgaben für die kleingärtnerische Nutzung, 1/3 Gewinnung von Gartenbauerzeugnissen und (demnach) 2/3 Erholung, können durch moderne Lebensformen gefördert und auch gefordert werden.
Ganz im Sinne des Bundeskleingartengesetzes.
Fassen wir also zusammen: Wer Kleingartenanlagen ernsthaft erhalten will, wer das Kleingartenwesen zum Wohle der Bevölkerung weiter entwickeln will, der muss gewillt sein, über ein modernes Kleingartenwesen nach zu denken, was im Rahmen des Bundeskleingartengesetzes ohne Einschränkungen möglich ist.
Es ist ein Grundanliegen der Garten-Partei Sachsen, dafür zu kämpfen, das Kleingartenwesen moderner und bedarfsgerechter zu gestalten. Alle Bürger und Naturliebhaber sind zur Mitarbeit herzlich eingeladen und aufgefordert.

t.p.

Mehr zu Thema findet Ihr hier!

Kommentare  

+1 #2 Moderne KleingärtenGast 2017-12-26 06:53
Gut gebrüllt Löwe. Aber wo wart Ihr vor 1989? da begann der demographische Wandel. Da waren plötzlich Flüchtlinge. Und der kommunistische Terror war nicht ohne. Da habt Ihr nur Interesse für Euch gezeigt. Wenn Du ein Instrument spielen willst. Dann spiele ein eigens. Nimm nicht immer in die Trompete von anderen. Du bist unglaubwürdig.
Zitieren
+5 #1 Moderne KleingärtenGuest 2017-12-17 08:20
Also diesen Beitrag finde ich Spitze! Schaut mal auf die Kleinstädte in Sachsen mit ihren Kleingartenanlagen. Nicht nur, dass dort massenhaft Wohnungen leerstehen, nein genauso geht es den Kleingartenanlagen. Leerstand überall, weil die Menschen mangels attraktiven Lebensangeboten abwandern. Die Mangelwirtschaft boomt! Mangel an Arbeit; Mangel an guten Verdienstmöglichkeiten; Mangel am Gemeinwohl. Am Beispiel der Kleingartenanlagen ist der Zerfall der Gesellschaft abzulesen! Wie eine Art Barometer. Deshalb: Modernisierung des Kleingartenwesens ist die erste Pflicht derer die Verantwortung tragen. Aber wer übernimmt Verantwortung? Wer? Aber Bäume fällen in der Vegetationsperiode. Das ist von manchen die einzige Sorge (siehe Beitrag auf dieser Seite)!
Euer Kleingärtner vom Schloss
Zitieren

Kommentar schreiben

Bitte Kommentare nur in Bezug auf den Beitrag abgeben. Für übergreifende Informationen nutzen Sie bitte die eMail-Adresse info@gartenpartei.org.
Wir behalten uns vor, Kommentare mit ungültigen Angaben (z.B. eMail-Adresse) oder sittenwidrigen Inhalten zu löschen.


Sicherheitscode
Aktualisieren