Geschichtsschreibung in der Kleingartenbewegung ist etwas sehr Dynamisches. Einst war Moritz Schreber der Gründer der Kleingärten. Dass er mit Kleingärten nichts am Hut hatte und dazu noch ein strammer Deutsch-Nationaler war, hat man einfach verschwiegen."150 Jahre Schreber" wurde trotzdem zünftig gefeiert. Dann haben sich die Vereine mit anderen und früheren Wurzeln gemeldet.

Vorläufig letzte "Errungenschaft" ist, daß ein Pastor 1814 im damaligen Dänemark auf Kirchengrund Gartenparzellen an einen Verein verpachtet hat. Das war für den BDG Anlaß, 200 Jahre Kleingartenbewegung mit einem Verein zu feiern, dessen Parzellen nicht auf diesem historischen Grund sind. Der Verein, der die Parzellen bewirtschaftet, die auf historischem Grund sind, agiert zwar nach dem BKleingG, ist aber nicht Mitglied im BDG. Immer nach dem Motto: Hauptsache feiern, auch wenn die Wahrheit auf der Strecke bleibt.

Mein Vorschlag ist, einmal nachzuforschen, ob der Provinzial Martin Luther 1514 vielleicht in Wittenberg 3 Vegetarierinnen erlaubt hat, ihren Giersch auf Kirchengrund anzubauen. Dann wäre die Kleingartenbewegung schlagartig 500 Jahre alt und man könnte ein ganz großes Fest feiern.

Man könnte ja sogar den Papst einladen; ob der aber so viel ökomenischen Großmut hat, an der Feier teilzunehmen, wenn der "Vater der Kleingärtner" ein Abtrünniger ist, darf bezweifelt werden. Mit der konfessionellen Unabhängigkeit hätte der BDG sicher kein Problem. Er lädt schließlich auch Politiker einer bestimmten "Glaubensrichtung" als Festredner ein. Aber das kann sich ja schlagartig auch weiterentwickeln. Wenn z.B. Archäologen in Trier ein Skelett eines alten Mannes in gebückter Haltung ausgraben, haben wir plötzlich "1500 Jahre Kleingartenbewegung" und wieder einen Grund auf Kleingärtnerkosten zu feiern. Man darf gespannt sein, wie die vom BDG bezahlten Historiker über unsere Gesellschaft berichten; jedenfalls nicht wahrheitsgemäß, wie bisher. Einen Trost gibt es allerdings für die Kleingärtner:

Die Kleingärten haben bisher die verschiedensten Gesellschaftsordnungen überlebt; warum sollte das diesmal anders sein?